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- Es gilt das gesprochene Wort -
Sehr geehrter Herr Nabe,
sehr geehrter Herr Wagner,
meine Damen und Herren,
I.
Ü
ber das Ende eines der brutalsten Regime auf dieser Erde hat man sich in
Deutschland nicht weniger gefreut als in Japan und in anderen Teilen der
Welt. Je mehr Demokratie es gibt, desto sicherer wird die Welt. Bereits Kant
hat die Prognose gewagt, dass Demokratien untereinander keinen Krieg führen.
Ü
ber die Frage, ob der Krieg im Irak notwendig war, gab es Meinungsverschiedenheiten.
Bundeskanzler Schröder hat aber wiederholt - auch gegenüber
PM Koizumi am 30.04. in Berlin Eerklärt, dass jetzt nicht
die Zeit ist, diesen Streit weiter auszutragen. Jetzt komme es
darauf an, aus dem militärischen Sieg der Koalition im Irak
einen politischen Gewinn für das irakische Volk und die gesamte
Region zu schaffen.
Ich möchte daher heute zu Ihnen über die gemeinsamen
Herausforderungen sprechen, die sich uns jetzt im Irak und in der
gesamten Region Mittlerer Osten stellen.
II.
Die vordringlichste Aufgabe im Irak ist derzeit die Herstellung von Sicherheit
und Ordnung. Dies ist nach Kriegsvölkerrecht Sache der Koalitionskräfte.
Der amerikanische Entwurf der VN-Resolution tut deswegen gut daran, dass
er die USA und Großbritannien als Besatzungsmächte anerkennt.
Gleichzeitig muss schnellstmöglich die humanitäre Hilfe
für die notleidende irakische Bevölkerung anlaufen. Es
ist selbstverständlich, dass Deutschland sich hieran beteiligen
wird. Tatsächlich sind bereits 14,5 Mio. Euro für Soforthilfe-Projekte
gezahlt worden. Die Bundesregierung hat darüber hinaus ihre
Mittel für humanitäre Hilfe im Irak auf insgesamt 50
Mio. Euro aufgestockt. Sie ist bereit, diese Mittel unter dem Dach
der Vereinten Nationen so schnell wie möglich im Irak zur
Verfügung zu stellen.
Die Aufgabe der Vereinten Nationen kann aber nicht nur in der Verteilung
von humanitärer Hilfe bestehen. Den VN muss vielmehr dort
eine wichtige Rolle zukommen, wo es um die wirtschaftliche und
politische Zukunft des Landes geht.
Zu meistern ist eine Herausforderung von beängstigender Komplexität
und Schwierigkeit:
- eine kulturell und religiös außerordentlich heterogene Mischung
von Stämmen, Glaubensgemeinschaften und gesellschaftlichen Kräften
muss integriert werden.
- eine in 30 Jahren Diktatur gedemütigte und unterdrückte Gesellschaft
soll möglichst schnell einen demokratischen Staat aufbauen.
- die durch drei sinnlose Kriege und ihre Folgen ruinierte Wirtschaft muss
wieder in Gang gebracht werden. Der Bevölkerung muss Arbeit und eine
wirtschaftliche Zukunft geboten werden.
Diese Aufgaben können nur durch den Einsatz der gesamten internationalen
Gemeinschaft bewältigt werden. Der wirtschaftliche Wiederaufbau
wird nur mit Hilfe der Internationalen Finanzinstitutionen IWF und Weltbank
gelingen. Für den politischen Wiederaufbau ist die Expertise und
vor allem die Legitimität der VN unerlässlich. Insgesamt ist der
Gesamtkomplex "Wiederaufbau" daher nur unter dem Dach der Vereinten Nationen
denkbar.
Wie dieses "Dach" im Einzelnen aussehen wird, das wird in den nächsten
Wochen und Monaten in New York zu klären sein. USA und Großbritannien
haben hierzu ihre Vorschläge vor kurzem präsentiert.
Diese entsprechen noch nicht ganz den Vorstellungen anderer Mitglieder
des Sicherheitsrates. Diese Meinungsverschiedenheiten dürfen
aber den dringend notwendigen Entscheidungsprozeß nicht aufhalten.
Ich bin zuversichtlich, dass die Debatte pragmatisch geführt
werden wird. Die kürzliche Einigung über die Fortführung
des sog. "Oil for Food"-Programms, die unter Vorsitz unseres VN-Botschafters
Guenther Pleuger zustande kam, ist hierfür ein gutes Omen.
An Erfahrungen fehlt es ja nicht. Einige der in Afghanistan erfolgreich
erprobten Wiederaufbau-Modelle ließen sich durchaus auch
im Irak anwenden:
-
Eine Konferenz über die politische Zukunft nach dem Muster der sog. "Petersbergkonferenz" in
Bonn vom Dezember 2001. Auf ihr könnte unter dem Dach der VN ein Fahrplan
für die phasenweise Übernahme der Regierungsverantwortung durch
eine zuletzt demokratisch gewählte irakische Regierung festlegt werden.
-
Eine wirtschaftliche Wiederaufbaukonferenz nach dem Modell der Tokioter
Afghanistankonferenz vom Januar 2002. Auf ihr könnten die internationalen
Hilfszusagen gesammelt und koordiniert werden.
-
Die Übernahme von "lead-" Funktionen beim Wiederaufbau bestimmter
Sektoren durch einige erfahrene und hierzu bereite Länder.
Im Falle Afghanistan haben Deutschland und Japan gemeinsam Verantwortung für
das Gelingen des Wiederaufbaus übernommen. Als Botschafter in Tokio kann
ich mir sehr gut vorstellen, dass unsere beiden Länder auch im Irak wieder
eine hilfreiche Rolle spielen werden, obwohl wir nicht militärisch am
Krieg beteiligt waren. Minister Fischer hat dieser Hoffnung beim kürzlichen
Gespräch mit Frau Kawaguchi bereits Ausdruck gegeben.
III.
Wie immer man in der Vergangenheit über die Prioritäten des Irakproblems
und des Palästinakonfliktes gedacht haben mag, das Palästinaproblem
bleibt auf der Tagesordnung. Die Meldungen der letzten Tage stimmen uns vorsichtig
optimistisch, dass hier die Dinge in die richtige Richtung in Bewegung geraten.
Die amerikanische Regierung hat nun Eendlich E ihr Gewicht und
Prestige für eine neue Friedensinitiative durch Veröffentlichung
der sog. "road map" in diesen Konflikt eingebracht. Die Bundesregierung,
wie auch die übrigen europäischen Partner, haben seit
langem die Umsetzung der "road map" gedrängt. Außenminister
Fischer hat sie stark mitgeprägt. Sie stellt die vielleicht
beste Chance seit langem dar, aus dem Teufelskreis der Gewalt auszubrechen
und einen Weg zum Frieden zu finden. Auch darin waren sich Außenminister
Fischer und Außenministerin Kawaguchi völlig einig.
IV.
Wir stimmen mit unseren amerikanischen und japanischen Freunden darin überein,
dass der internationale Terrorismus in Verbindung mit Massenvernichtungswaffen
die derzeit vielleicht größte Gefahr für unsere freien und
demokratischen Gesellschaften darstellt. Die nach dem 11.9. spontan vom gesamten
deutschen Volk erklärte Solidarität mit den Amerikanern im Kampf
gegen den Terrorismus gilt heute wie am ersten Tag.
Aus diesem Grunde hat Deutschland in Afghanistan eine führende
Rolle übernommen. Wir haben im Rahmen von ISAF 2414 Soldaten
nach Kabul und im Rahmen von "Enduring Freedom" Schiffe der Bundesmarine
mit 862 Mann in den Indischen Ozean entsandt. Weil Deutschland
nicht am Irak-Krieg teilgenommen hat, wird ihm manchmal vorgeworfen,
pazifistisch zu sein. Das stimmt nicht. Mit Ausnahme des Irak stellt
Deutschland nach den USA die meisten Truppen in Krisengebieten
auf der ganzen Welt. Ich bin besonders froh, dass ich im Februar
im Rahmen eines Notenwechsels mit Außenministerin Kawaguchi
vereinbaren konnte, dass die deutschen Schiffe im Indischen Ozean
jetzt auch durch Schiffe der japanischen Marine betankt werden.
Auf diese Weise findet heute in Afghanistan und im Indischen Ozean
eine Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Ländern statt,
die in die Zukunft weist.
Vielen Dank.
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